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Wenn Kommunikation notwendig wird

Drei Formen der Reaktion eines Betroffenen sind zu beobachten, wenn sein intimes Problem zur Sprache kommt. Erstens, er leugnet das Problem (»Das ist kein Haarausfall, sondern ein Haarwirbel«). Zweitens, er ist überrascht und peinlich berührt, senkt die Lautstärke seiner Stimme und fragt eingeschüchtert nach (»Tatsächlich? Hab ich wirklich Mundgeruch?« und hält sich prüfend die Hand vor den Mund). Drittens, er gibt sich emotional unbetroffen als Mittel zur Distanzierung zum Problem (gespielte Gelassenheit »ach, das ist nunmal so. Das muss man akzeptieren. Da kann man nichts gegen tun.«)

Gestik und Mimik können die Verlegenheit verraten (nonverbale Zeichen der Peinlichkeit: Erröten, Verstecken der Hände in Taschen oder Herumspielen an Haar und Kleidung, Verschränken der Arme, hilfloses Lächeln (1), Senken des Blickes (2)), Überspielen mit Worten. Das direkte Zuweisen (»Du hast Schuppen«, »ich hab Mundgeruch«) eines intimen Problemes auf eine anwesende Person gilt nicht eben als nonchalant. Lieber wird die Angelegenheit verallgemeinert, z.B. durch das Wort »man« (wenn »man« Haarausfall hat, sollte man dies und jenes tun«) oder indem die Diskussionspartner von anderen, fremden Personen sprechen (»Der Heiner Lauterbach mit seinem Haarausfall sollte das Produkt XY probieren.«). Auch der Konjunktiv ist ein rhetorisches Mittel, um Probleme von sich zu weisen (»Wenn ich Mundgeruch hätte, würde ich…«. Durch das »hätte« schließt die Person aus, dass sie es hat).

Generell wird eine Andeutung durch Gestiken und Handlungen der sprachlichen Auseinandersetzung bevorzugt (z.B. bei Mundgeruch das Anbieten eines Pfefferminzes oder räumliches Abstandnehmen). Wenn Kommunikation zum Beheben des intimen Problemes notwendig wird, versuchen die Leidtragenden, die Angelegenheiten »getarnt«, bzw. unbemerkt abzuwickeln. Aus dieser Not entstanden diskrete Hotlines (Sorgentelefone) und anonyme Leserbriefkästen (z.B. das Dr. Sommer-Team der Jugend-Zeitschrift »Bravo«). Das Internet bietet Service-Seiten jeglicher Art, die Nachfrage danach ist immens.

Möchte man sich nicht maskiert an eine fremde Person wenden, werden Vertrauenspersonen angesprochen. Der Ehepartner ist die erste Wahl, danach folgen Verwandte, Freunde, Pfarrer und Ärzte, deren Schweigepflicht gern in Anspruch genommen wird. Bei einem Gespräch mit der Vertrauensperson wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen, private Örtlichkeiten oder kommunikativ geschützte Bereiche werden aufgesucht. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Beichtstuhl.

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[1] siehe auch iTVC: 052 Sanamed.

[2] siehe auch nTVC: 011 o.B. »Beobachter können zwischen einem normalen und einem peinliche berührten Lächeln unterscheiden – und zwar aufgrund der Tatsache, dass bei einem peinlichen Lächeln der Blick etwa eineinhalb Sekunden vor dem Höhepunkt des Lächelns abgewendet wird, während dies beim normalen Lächeln erst bei der höchster Lächel Intensität geschieht.« [»Privatsphärensehen« S.106]

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