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Intimität ist Privatsache (5/5)

Die TV-Commercials in den Medien, die in dieser Arbeit untersucht werden, sind uneingeschränkt als frei zugängliche Kommunikation zwischen Werbebranche/Industrie und Konsument/Öffentlichkeit zu erachten. Alle Informationen, die in der Reklame publiziert werden, dringen nach Außen, an eine nicht eingrenzbare, unbekannte Menge an Zuschauern. In diesem Publikum können sich Menschen befinden, die sich von den veröffentlichten Informationen persönlich getroffen fühlen (eine indirekte gesellschaftliche Rüge durch die Werbung). Der desavouierte Zuschauer reagiert darauf mit Beschwerden, Anrufen, Anklagen oder einfach durch Umschalten des Fernsehkanals, Ausschalten des Fernsehgerätes oder Ignorieren der Werbung, was ein Sinken der Quoten bewirkt.

Fernsehanstalten üben sich einerseits im diplomatischen Ausklammern und Euphemisieren von Intimthemen (insb. öffentlich-rechtliche Sender, die sich nicht durch Provokation angreifbar machen wollen) und andererseits mit gezieltem Einsatz von Tabubrüchen (1), um Aufmerksamkeit zu erlangen (Boulevard- Formate: Scheinbare Objektivität der Moderatoren und »gemeinsame« Empörung mit dem Zuschauer über die Schamlosigkeit z.B. der Talkgäste).

Auch Werbung zeigt zugleich Zurückhaltung und Provokation. Manche Werbemacher verstehen es geschickt, ihre Lösungen für intime Probleme des Zuschauers dezent zu vermarkten, andere wiederum versuchen mit dem bewußten Verletzen gesellschaftlicher Moralvorstellungen ihre Produkte ins Gerede zu bringen. In beiden Fällen ist die Reaktion der Zuschauer nicht absehbar, sie kann durchaus negativ ausfallen. Gleichgültig ob dem Verbraucher Werbung positiv oder negativ in Erinnerung bleibt (2), es bedeutet nicht zwingend, dass er das Produkt auch kaufen wird. Memorabilität ist eben kein Garant für Umsatz.

Zusammenfassend kann man festhalten, dass intime Themen für die Öffentlichkeit noch immer tabuisiert sind. Die Medien, die Werbung und auch einzelne Personen zeigen einerseits die moralisch »kultivierte « bzw. »zivilisierte« Seite (diplomatischer, diskreter Umgang mit intimen Angelegenheiten) und andererseits nutzen sie die Faszination der Gesellschaft für Provokatives, um mit gezielten Tabubrüchen Zuhörer und Zuschauer zu gewinnen.

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[1] In Talk- und Showsendungen wird ausgehend von Einzelschicksalen (und um Authenzität bemühten Darstellungsformen) Zuschauerbindung mit Hilfe von Intimisierung und Emotionalisierung gesucht.« [»Privatheit im öffentlichen Raum«, S.10]

[2] »Fragt man die Konsumenten, so erinnern sie sich nicht nur an Werbungen, die ihnen gefallen haben, sondern durchaus auch an solche, die ihnen nicht gefallen haben.« [»Mediaperspektiven« 3/2001, S.2]

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